KDFB zum Papstbesuch:

Dialogprozess fortsetzen und notwendige Reformen einleiten

Datum:
Mi. 28. Sep. 2011
Von:
Monika Herkens

Köln, 27.9.2011 – „Die Impulse, die Papst Benedikt XVI. mit seinen Reden und Predigten, den feierlichen Liturgien im Kreise Tausender Christinnen und Christen und den Gesprächskreisen in kleinerer Runde gesetzt hat, werden uns als Frauenbund auch weiterhin beschäftigen“, wertete Ingrid Fischbach, Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB), den Besuch des Papstes in Deutschland. Am  Samstagnachmittag hatte sie Gelegenheit, in Freiburg dem Papst zusammen mit einer Delegation
des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) persönlich zu begegnen und ihm die Anliegen der Frauen vorzutragen. Sie habe diese Begegnung als Bereicherung, aber auch als Herausforderung erlebt.

Der Frauenbund fühle sich bestärkt durch die Aussage des Papstes, dass Menschen Orte brauchen, wo sie ihr inneres Heimweh zur Sprache bringen könnten: kleine Gemeinschaften, in denen Spiritualität gemeinsam erlebt werde. Diese Glaubensgemeinschaft sei in vielfältigen Angeboten des Frauenbundes in ganz Deutschland erfahrbar. „Hier haben sich Orte der Gotteserfahrung mit einem reichen Schatz an lebensbejahenden Formen und Liturgien, frauengerechten Texten und Musik entwickelt, die längst von vielen Frauen und Männern über den Verband hinaus aufgesucht werden. Diese Modelle von Kirche wollen wir weitertragen und weiter öffnen“, so die KDFB-Präsidentin. Darüber hinaus müssten aber auch Strukturen verändert werden. Der Frauenbund hoffe, dass der im Juli begonnene Dialogprozess fortgesetzt und notwendige Reformen eingeleitet werden. Dabei gehe es nicht um eine vordergründige Anpassung der Kirche an den Zeitgeist, sondern um die Frage, wie der Glaube lebensnah verkündet und die christliche Botschaft Menschen in einer pluralen Gesellschaft nahe gebracht werden kann. Wichtige Herausforderungen seien der
Umgang der Kirche mit Brüchen und Krisen im Leben von Menschen, eine zeitgemäße Sprache, das Verhältnis von Klerikern und Laien sowie die Rolle von Frauen.

„Als Kirche leben wir in der Welt und dürfen uns ihr nicht verschließen“, betont Ingrid Fischbach. Als katholischer Frauenverband mit politischem Profil setze sich der KDFB für die gerechte Beteiligung von Frauen in Führungsämtern, eine gerechte Entlohnung und die Wahrung der Interessen von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen des Lebens ein. In der katholischen Kirche gebe es hier noch einigen Nachholbedarf. Die KDFB-Präsidentin verweist auf das Hirtenwort der deutschen Bischöfe „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“.

Die ermutigenden Botschaften und Absichtserklärungen des Hirtenwortes von 1981 sollten in der Umsetzung nicht weitere 30 Jahre auf sich warten lassen. „Eine Kirche kann aus unserer Sicht nur dann glaubwürdig sein, wenn sie Frauen nicht von vorneherein Zugänge zu Ämtern, Gremien und Positionen verwehrt.
Dazu zählt auch das Diakonat der Frau. Gerechte Beteiligungsformen für Frauen werden wir daher weiterhin einfordern - im Sinne einer zukunftsfähigen Kirche “

Redaktion. Gabriele Klöckner
Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 220.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Gesellschaft, Politik und Kirche ein.